Psychologische Gutscheine

Es ist Vorweihnachtszeit und alles spricht von Sale, Rabatte, Gutscheine etc. Da ist mir eingefallen, dass ich schon lange mal über die psychologischen Gutscheine sprechen wollte, sie sind sammelbar wie die Rabattmarken.

Wenn wir zum Beispiel beim Kauf im Supermarkt unsere Rabattmarken sammeln, erhalten wir eine "Prämie" und folgendes kann beobachtet werden:

  1. Eine Art "Gutschein" wird abgegeben, wenn wir bestimmte Lebensmittel einkaufen.
  2. Die meisten "Sammler" ziehen eine bestimmte Farbe vor, bietet man Marken in einer anderer Farbe an, werden sie diese eventuell weiterverschenken. Es gibt aber auch Sammler die alle Marken in jeder Farbe sammeln.
  3. Die einen Kleben die Marken täglich in den Heftchen ein, andere in regelmässigen Abständen und wiederum andere lassen sie einige Zeit rumliegen bis sie sie einkleben. Es gibt wieder solche die sie rumliegen lassen, bis sie plötzlich dringend was einlösen wollen: dann zählen sie rasch, ob sie alle Marken beisammen haben um das Produkt gratis oder günstiger kaufen zu können.
  4. Manche vergleichen gerne ihre Gutscheine mit anderen "Prämienscheinen" und sprechen gerne darüber wie viele Scheine sie schon ausgefüllt haben.
  5. Manche machen sich Gedanken darüber, dass es ja gar nicht kostenfrei ist diese Marken zu sammeln. Manche dagegen machen sich gar keine Gedanken darüber.
  6. Manche geben sich die Mühe gar nicht, und suchen eine Möglichkeit um gefälschte Marken zu erwerben.

Und nun zu den psychologischen Gutscheinen:

Sie sind Prämien für ganz bestimmte "Transaktions-"Maschen" und unsere Eltern bzw. unsere Erziehung spielt hier eine wichtige Rolle. Unsere Eltern bringen uns bei, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten müssen zum Beispiel schuldig, zornig, verletzlich, ängstlich, blöd oder wie ein Sieger etc., diese Gefühle werden zu "Maschen". Und so sammeln wir möglichst viele "Gutscheine" um sie später in unserem Erwachsenen-Alter einzusetzen.

Psychologische Gutscheine kann man somit dem Modell des Geschäftsleben vergleichen:

  1. Man erhält sie als ein legitimes Verhalten und wartet gierig darauf, irgendwelche Gutscheine zu "kassieren".
  2. Auch Sammler von psychologischer Gutscheine habe bestimmte "Lieblingsfarben". Bietet man ihnen andere Farben an, wollen sie diese möglicherweise auch nicht haben. Jemand der z.B. Zorn-Gutscheine sammelt, wird sich nicht für Angst- und Schuld-Gutscheine interessieren. Bei denen die alle Arten von Gutscheinen sammeln, handelt sich um Menschen die sehr durstig sind nach Gefühlen.
  3. Die einen beschäftigen sich täglich mit ihrem Verletzt-sein oder Zorn, andere tun dies weniger oft, und wieder andere wenn sie gelangweilt sind und nichts Besseres zu tun haben. Manche warten so lange bis sie explodieren und so einen dramatischen Emotionsausbruch vorführen können.
  4. Es gibt Menschen die zeigen gerne ihre Kollektion von Gefühlen oder sprechen gerne darüber. (sozusagen "Allesbesserwisser"-Talent; ich kenne das, weiss wie es ist, kenne das Gefühl etc.)
  5. Manche wissen, dass Gutscheine nicht wirklich kostenlos sind, sondern dass man dafür "bezahlen" muss; durch Einsamkeit, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit oder Blutdruckprobleme. Sie lassen es daher bleiben. Andere begreifen das nicht, obwohl sie die Risiken kennen und sammeln für den gebotenen Preis weiter, weil sonst ihr Leben zu eintönig wäre.
  6. Dann sind da noch die paranoiden Sammler. Sie suchen Mitleid oder leben in Selbsttäuschung.

Klar gäbe es noch weitere Punkte die ich aufzählen könnte, aber ich denke man hat so eine Ahnung was damit gemeint ist. Jedoch eine weitere wichtige Ähnlichkeit zwischen den beiden Gutschein-Arten, will ich noch zum Schluss nennen;

Sie werden ungültig sobald man sie einmal benutzt hat und eingelöst hat. Trotzdem sprechen die Leute weiterhin über die eingetauschten Gutscheine bzw. Rabattmarken... wir nennen sie "Erinnerung".

 

Zu welcher Gruppe "Sammler" gehörst Du?

 

Herzlichst Isabella Coduti

 

Ps: Du kannst dich gerne  für eine Transaktions-Analyse bei mir melden. Eine Sitzung dauert ca. 60 bis 70 min.

 

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